Geschichte der Langermannschule

Schulchronik der Langermannschule? Leider gibt es keine, so dass lediglich auf Protokolle von Lehrerkonferenzen aus der Zeit von 1956 bis 1974 zurückgegriffen werden konnte, sowie auf eine spärliche Loseblattsammlung von Schriften aus unterschiedlichen Jahren.

Die Langermannschule, die zu Beginn Dorstfelder-Hilfsschule hieß, wurde 1949 gegründet und befand sich in der Teutoburgerstraße in Dortmund-Dorstfeld. Von 1949 bis 1953 stand der Hilfsschule nur ein Klassenraum zur Verfügung, bis ca. 1955 nur zwei Klassenräume, so dass in Schichten unterrichtet werden musste. Das Gebäude wurde bis 1955 hauptsächlich von der katholischen Volksschule (Gutenbergschule) und von der evangelischen Volksschule (Funkeschule) genutzt

Am 01.06.1956 wurden die Hilfsschule Dortmund-Marten und die Hilfsschule Dortmund-Dorstfeld, die zu diesem Zeitpunkt schon Langermann-Hilfsschule hieß, zusammengelegt. Der Name war dann Langermann-Hilfsschule. Wann genau die Hilfsschule Dortmund-Dorstfeld den Namen Langermann-Hilfsschule erhielt ist leider nicht bekannt. Gleichzeitig wurde das Gebäude in der Teutoburgerstraße ganz der Langermann-Hilfsschule zur Verfügung gestellt. Die Leitung der Schule hatte zu dieser Zeit Herr Rektor Pröpper. Im Protokoll vom 12.12.1956 hieß es: „Da endlich ausreichender Raum vorhanden ist, kann ein einschichtiger Unterricht durchgeführt werden.“ Aus den vorhandenen Unterlagen der Langermann-Hilfsschule ergibt sich eine Eigentümlichkeit, die sich auf den Namensgeber der Schule bezieht: Es gibt zwei verdiente Persönlichkeiten, die als Namensgeber in Frage kommen. Zum Einen Johann Gottfried Langermann ( 1768-1832) und zum Anderen Johannes Langermann (1848-1923). Die Langermann-Hilfsschule kam der Aufforderung des Schulamtes vom 19.01.1957, „ einen kurzen, erklärenden Bericht über den Namen der Schule“ zu schreiben nach, in dem sie die Kurzbiographie von Johann Gottfried Langermann zurücksandte.

Johann Gottfried Langermann wurde am 08.08.1768 zu Maxen bei Dresden geboren, studierte zunächst Jura, war als Hauslehrer bei einem Kaufmann in Leipzig tätig, studierte dann Medizin und schloss dieses Studium 1797 in Dresden mit der Promotion ab.

Er arbeitete dann eine zeitlang als Arzt im „Irrenhaus“ in Torgan und wurde etwas später Direktor der „psychischen Heilanstalt für Geisteskranke“ in St.Georgen. Sein besonderer Verdienst war, dass unter seiner Regie die damaligen „Narren - und Tollhäuser“ in „Heil-und Pflegeanstalten umgewandelt wurden. J.G.Langermanns Ansicht war, dass Schwachbefähigte innerhalb ihrer Möglichkeiten durch pädagogische Mittel zum Denken gebracht werden müssen, um wenigstens etwas Sinnvolles leisten zu können.
1819 wurde er Staatsrat im Ministerium des Innern in Berlin. Später wurde er dann Leiter des gesamten preußischen Medizinalwesens in Berlin und hatte somit großen Einfluss auf die gesamte Entwicklung der preußischen Psychiatrie. Zu seinen Verdiensten zählt außerdem die Förderung und Reformierung der Tierheilkunde.
Johann Gottfried Langermann starb am 05.09.1832 in Berlin.

In der losen Blattsammlung befindet sich außerdem eine Kurzbiographie von Johannes Langermann, allerdings ohne Jahresangabe.
Johannes Langermann wurde am 24.10.1848 in Brook geboren. Seine berufliche Ausbildung erhielt er im Lehrerseminar zu Neukloster. Nach jahrelanger Tätigkeit im Volksschuldienst widmete sich J.Langermann von 1902 an der Erziehung schwachbegabter. Zuerst übte er diese Tätigkeit an der Hilfsschule in Barmen aus und leitete später eine von ihm gegründete Reformschule in Darmstadt. Johannes Langermann war wohl der Erste, der sein Konzept von Unterricht als „Handelnder Unterricht“ bezeichnete. Er führte in seiner Klasse Schülerwahlen, Schülergericht und eine moderne Gesundheitspflege ein. In dem Buch „ Der Erziehungsstaat nach Stein-Fichteschen Grundsätzen“ ( 1. Auflage 1911 ) beschreibt Langermann eindrucksvoll am Beispiel des Aufbaus eines Schulgartens die Entwicklung des Bedürfnisses der Schwachbegabten für Sprechen, Lesen, Schreiben, Zeichnen, Religionsunterricht usw. Großen Wert legte er auf das bewußte Sammeln von bildlichen Vorstellungen, das „Bilderfangen“. Seine Prinzipien von Unterricht und Erziehung waren: „nicht Stoffanhäufung sondern Kraftentwicklung, nicht Wissen sondern Können, nicht Zwang sondern freies, freudiges Wollen, nicht Konkurrenz sondern gegenseitige Ergänzung, nicht Isolierung sondern organische Eingliederung, nicht bloßes Lernen sondern Erleben zum Zweck des Lebens.“
Johannes Langermann starb 1923 in Remscheid.

Es ist also nicht eindeutig, ob Johann Gottfried Langermann (1768 – 1832 ) oder Johannes Langermann ( 1848 – 1923 ) der Namensgeber der Langermannschule ist. Ohne die Verdienste des Einen oder Anderen zu werten, können wir uns heute allerdings unmittelbarer mit dem Wirken des Letztgenannten identifizieren.
Beim Lesen der Protokolle der Lehrerkonferenzen von 1956 bis 1974 wurde deutlich, dass sich der schulische Alltag in dieser Zeit nur unwesentlich von dem in der heutigen Zeit unterschied und sich die sonderpädagogischen Schwerpunkte in den Grundzügen sehr ähnlich waren. Ganzheitliche, projektorientierte und anschauliche Unterrichtsgestaltung, Einbeziehung der Lebenswirklichkeit der Schüler/innen, Schwerpunkte in der Bewältigung der Lebenspraxis, Vorbereitung auf die Berufswelt usw. waren auch in dieser Zeit von besonderer Bedeutung.

    Aus diesem Grund sollen im Folgenden nur bemerkenswerte Aspekte aus den unterschiedlichen Jahren dargestellt werden:
  • 1957 Die Langermannschule hatte von Beginn an Fahrschüler, denn im Protokoll vom 20.02.1957 wurde darauf hingewiesen, besonders die Fahrschüler „im Hinblick auf das gute Benehmen in Bus und Straßenbahn“ zu unterweisen.
  • 1959 Zu dieser Zeit gab es schon Erziehungsberatungsstellen und Schulpsychologen. So wurde im Protokoll vom 20.09.1959 erwähnt, dass der bisher zuständige Schulpsychologe nun Heerespsychologe wurde, er aber einen Nachfolger bekam der wie es hieß „ in seiner Arbeit gewissenhaft und sehr unterstützend“ sei. Im selben Protokoll wurde angegeben, dass 62% der Lehrerinnen und Lehrer älter als 55 Jahre waren. Die Pflichtstundenzahl der Hilfsschullehrer betrug 28 Wochenstunden.
  • 1960 Ostern 1960 hatte die Langermannschule 227 Schüler und 7 Lehrer, so dass die meisten Lehrer eine doppelte Klassenführung hatten. Aufgrund des Lehrermangels und wie es hieß „ der Verbundenheit zur Langermann Schule“ stellte ein Kollege, der Ostern 1960 in den Ruhestand versetzt wurde, seine Arbeitskraft ab September 1960 wieder zur Verfügung. Es herrschte zu dieser Zeit aber nicht nur Lehrermangel, sondern auch erneut Raummangel an der Langermannschule, so dass 8 Klassen in 6 Räumen unterrichtet werden mussten. Somit wurde ein Plan erstellt, wer wann nachmittags unterrichten musste. Zum Inhalt von Unterricht wurde im Protokoll vom 26.09.1960 vermerkt: „ Der Unterricht an der Hilfsschule muss anschaulich und kindgemäß sein und möglichst alle Sinne des Kindes ansprechen
  • 1962 Zu dieser Zeit schien es noch eine Besonderheit zu sein, wenn eine Kollegin den Führerschein erwarb, denn im Protokoll vom 02.04.1962 wurde vermerkt: „ Fräulein ... hat den Führerschein der Klasse 3 erworben. Das Kollegium wünscht ihr allzeit eine unfallfreie Fahrt und einen guten Lauf eines Wagens.“ In diesem Jahr hatte die Langermannschule 251 Schüler/innen, 13 Klassen und 10 Lehrer. Im Protokoll vom 08.09.1962 wurde beklagt, dass die Praxis gezeigt hatte, „ daß die Zahl von 51 Kindern in zwei Anfängerklassen, noch dazu in einer Hand, zu hoch ist.“ Es wurde dann ein weiterer Kollege in diesem Bereich eingesetzt.
  • 1967 In diesem Jahr wurde wieder große Raumnot beklagt. Für 12 gebildete Klassen standen nur 6 Klassenräume und ein Werkraum zur Verfügung, so dass erneut nachmittags unterrichtet werden musste.
  • 1968 Endlich bekam die Langermannschule ein größeres Schulgebäude. Sie zog in die Beuthstr. 21 in Dortmund-Dorstfeld. Das Schulgebäude wurde bis zu diesem Zeitpunkt von der katholischen Annaschule (Volksschule) genutzt. Die Volksschulen wurden 1968 in Grundschulen und Hauptschulen aufgeteilt und somit wurde das Gebäude frei. Eine nette Anekdote berichtete der damalige Schulleiter: In den ersten beiden Jahren in der Beuthstraße gab es lediglich einen Schreibtisch, den sich die Sekretärin und der Schulleiter teilen mussten. Praktisch sah dies so aus, dass der Schulleiter den Schreibtisch frei machen musste, wenn die Sekretärin kam. Er stellte dann seine Sachen auf die Fensterbank und arbeitete dort weiter.

  • 1969 Aufgrund der neuen Konferenzordnung vom 19.10.1969 wurde zum ersten Mal vorgesehen, an Schulen mit mindestens acht hauptamtlichen Lehrern ein Lehrerrat zu wählen, der aus mindestens drei, höchstens fünf hauptamtlich an der Schule tätigen Lehrern gebildet wird. So wurde auf der Konferenz am 21.01.1970 an der Langermannschule erstmals ein Lehrerrat gewählt.
  • 1972 Das Haushaltsdefizit der Stadt Dortmund betrug 1972 ca. 10 Millionen DM, was für die Schulen zur Folge hatte, dass die für das laufende Rechnungsjahr zur Verfügung gestellten Mittel nur bis höchstens 50% freigegeben wurden.
  • 1974 In der Konferenz vom 13.03.74 wurden die Kolleginnen und Kollegen über das neue Sonderschulaufnahmeverfahren ( SAV ) anhand des Ministererlasses vom 20.03.1973 informiert.
  • Leider wurde seit Ende 1974 kein Protokollbuch weitergeführt, sondern ein Ordner angelegt, der wohl bei Umzügen verloren ging, so dass kein verwertbares Material mehr vorliegt. Ende der 70-iger oder Anfang der 80-iger Jahre wurde die Wehrhahn-Hilfsschule, die sich in der Essenerstr.7 in Dortmund – Mitte befand, aufgrund zu geringer Schülerzahlen mit der Langermannschule zusammengelegt und erhielt auch deren Namen. Lehrer und Schüler der ehemaligen Wehrhahn-Hilfsschule blieben aber an dem Standort in der Essenerstraße als Dependance der Langermannschule.
  • Ende 1986 zog dann die Langermannschule in die Essenerstr.7.

  • 1998 war dann, wieder aus Gründen der Raumnot, der Umzug in unser heutiges Gebäude an der Harnackstr. 57-59 in Dortmund. Das ehemalige Grundschulgebäude wurde komplett renoviert und die nötigen Fachräume für den Sekundarstufen I - Bereich eingerichtet.
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  • 2008 nun sind wir seit 10 Jahren im Gebäude der Harnackstr.57 untergebracht. Inzwischen ist viel passiert. Nun heißen wir auch nicht mehr Sonderschule für Lernbehinderte. Jetzt sind wir eine
  • Förderschule mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" (klingt doch gleich viel besser - oder?).

 

 

 

 

    Im Herbst 2008 war das Umweltmobil als Gast bei uns. In dem fahrbaren Klassenzimmer hatten die Schüler der Klasse 7/8 (und die Lehrerin) viel Spaß!!!